Positiver Schwangerschaftstest

4 Fehlgeburten und eine mögliche Diagnose

Triggerwarnung: Fehlgeburt

Wir haben eine wunderbare Tochter. Ich wurde direkt beim ersten Versuch schwanger. Die Schwangerschaft verlief bis auf eine Gestationsdiabetes komplikationslos und wir durften im August 2020 unser kleines Wunder in unsere Arme schließen.

Aufkeimender Kinderwunsch 
So einfach und wunderschön dieser Weg war, so schwer wurde er mit dem wachsendem Wunsch nach einem zweiten Kind. Wir brauchten als Paar eine gute Weile, bis wir uns einig waren und wirklich gemeinsam diesen zweiten Kinderwunsch trugen. Gerade mein Mann brauchte noch einige Monate länger als ich, was mich anfangs ziemlich stresste, da ich nicht mehr die jüngste war.
Ich wollte immer spät Kinder haben, dann, wenn man sich ein Leben aufgebaut hat, ich viel gereist bin und mich wirklich bereit fühle, mich ganz auf das neue Leben als Mutter einzulassen. Dass ich dann bei der Geburt meiner ersten Tochter tatsächlich gerade 40 Jahre alt geworden war, war nicht ganz mein Plan gewesen.

Der erste zweite Versuch
Ich war also 41 Jahre alt als wir begannen, es auf ein zweites Kind anzulegen. Dieses Mal dauerte es einige Zyklen bis sich tatsächlich eine Schwangerschaft einstellte. Wir waren überglücklich und kamen aufgrund der ersten Schwangerschaft und keinerlei Berühungspunkten mit dem Thema Fehlgeburt gar nicht auf den Gedanken, dass eventuell auch etwas schief gehen könnte.vDie ersten Wochen vergingen und mir ging es richtig gut. Eines Abends beim Toben auf dem Sofa mit meiner Tochter bekam ich einen heftigen Tritt von ihr in meinen Unterleib. Ich war total erschrocken, schob den Gedanken an ein mögliches Problem aber schnell zur Seite, schließlich sollte der Minikrümmel zu dieser Zeit doch gut geschützt in seiner Fruchthöhle schwimmen. Beim nächsten Kontrolltermin zeigte sich im Ultraschall allerdings dann eine zwar intakte Fruchthöhle mit Embryo und schlagendem Herzen, allerdings auch ein unfassbar riesiges Hämatom in meiner Gebärmutter. Meine Frauenärztin konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob das wirklich am Tritt meiner Tochter lag oder an anderen, vielzählig möglichen Gründen. Sie war sehr besorgt und bereitete mich ein Stück weit darauf vor, dass dies bedeuten könnte, dass dieses Kind mit dem Abbluten des Hämatoms ggf. mit abgeht. Zur Unterstützung und zum Erhalt der Schwangerschaft verschrieb sie mir Progesteron Kapseln zur vaginalen Einnahme. Ich war zu diesem Zeitpunkt in SSW9. Leider setze nur wenige Tage später eine heftige Blutung ein. Ich hatte schlimme wehenartige Krämpfe und konnte das Badezimmer bzw. die Toilette aufgrund der heftigen Blutung für Stunden nicht mehr verlassen. Neben viel flüssigem Blut kamen auch unfassbar große Gewebestücke aus mir heraus, ich war mir sicher, mein zweites Kind in diesen Stunden verloren zu haben. Am nächsten Tag ging ich zur Kontrolle zu meiner Frauenärztin und zu unser aller Erstaunen fand sie eine nach wie vor intakte Fruchthöhle und ein schlagendes Herzchen. Wir konnten es alle nicht glauben. Leider hielt dieses große Glück nur wenige Stunden an, dann setzten die nächsten heftigen Krämpfe ein und diesmal verlor ich dieses Kind wirklich. Das war im Juni 2022 und ich sollte noch für 64 Tage weiter bluten. Es war zermürbend und frustrierend. Sowohl mein Körper als auch meine Seele brauchten einige Zyklen, um sich davon zu erholen.

Herbst 2022
Meiner Meinung nach sind Ultra Frühtests ein Fluch und ein Segen zugleich. Erst mit meiner eigenen Fehlgeburt setze ich mich näher mit diesem Thema auseinander. Am Anfang fühlte ich mich komplett alleine, so als ob ich die einzige Frau wäre, der so etwas je passiert ist. Erst als ich mich selbst nach und nach öffnete und mit ausgewählten Personen begann, über das, was mir passiert war, zu sprechen, merkte ich, dass ich nicht alleine war. Auch in meinem Umfeld gab es die Erfahrung von Fehlgeburten oder unerfüllte Kinderwünsche mit oder ohne Diagnose. Ich recherchierte viel zu dem Thema und las Statistiken, Erfahrungsberichte und medizinische Artikel. Was bleibt, ist oft die Frage warum? Warum ich oder wir? Warum mein Körper? Was ist bei mir der Grund? Und genauso oft bleibt eben diese Frage unbeantwortet, weil die Medizin es eben nicht mit Sicherheit genau sagen kann. Genau so erging es mir im Herbst 2022 erneut. Ich wurde noch zwei weitere Male schwanger, beide Male testete ich sehr früh, so dass wir uns beide Male verhalten freuen konnten. Doch beide Babys gingen pünktlich auf den Tag mit der nächsten Periode wieder ab. Hätte ich nicht getestet, hätte ich nichts von beiden Schwangerschaften gemerkt. Fluch und Segen eben. Auf das warum gab es wieder keine Antwort von der Medizin. Oft würde ein Chromosomenfehler vorliegen und die Natur sich selbst selektieren. Natürliche Auslese sozusagen. Und natürlich immer und zu jeder Zeit der Hinweis auf mein Alter.

Zykluskontrolle und die große Hoffnung
Die nächsten Zyklen verzichtete ich bewusst auf jeglichen Frühschwangerschaftstest und bekam immer pünktlich zum Stichtag meine nächste Periode. Im Frühjahr 2023 konnten wir es nicht mehr aushalten und wollten Antworten. Konnte ich noch schwanger werden, ist mit meinem Körper alles in Ordnung? Wir sprachen mit meiner Frauenärztin und sie entschied, eine Zykluskontrolle und Follikelmessung durchzuführen. Dabei wird die Follikelreifung bis zum Eisprung überwacht, um zu schauen, ob dabei alles in Ordnung ist. In der zweiten Zyklushälfte werden dann die Hormone getestet. Mein Ergebnis in diesem Zyklus war katastrophal. Mein bester Follikel war zunächst viel zu klein, um vernünftig ausgereift springen zu können, explodierte dann aber plötzlich in Größe und Reifung, um doch noch pünktlich zum errechneten Tag zu springen. Komisch aber okay. Meine Hormone allerdings waren absolut feindlich. Meine Frauenärztin rief mich mit den Ergebnissen an und teilte mir mit, dass ich eine Gelbkörperschwäche habe. Mein Gelbkörper produzierte nach dem Eisprung viel zu wenig Hormone, was dazu führte dass mein Progesteron und Östrogen Wert völlig unterirdisch waren und sich unter keinen Umständen ein befruchtete Eizelle hätte einnisten bzw. eine Schwangerschaft erhalten bzw. sich hätte aufbauen können. Im Nachhinein vermuten wir die Gelbkörperschwäche auch als Grund für die frühen Abgänge von Schwangerschaft drei und vier im Herbst 2022.

Da mein Eisprung an sich in Ordnung war, verschrieb sie mir Progesteron Tabletten für die zweite Zyklushälfte. Im nächsten Zyklus ergab die Follikelmessung eine perfekte Follikelreifung und einen rechnerisch pünktlichen Eisprung. Ich begann zwei Tage später mit der vaginalen Einnahme der Progesteron Kapseln und testete positiv an dem Tag an dem meine reguläre Periode hätte einsetzen sollen. Wir waren einerseits so glücklich und andererseits voller Ängste und Sorgen. Wir beschlossen, uns von Tag zu Tag voran zu tasten und so gut es eben geht, alles auf uns zukommen zu lassen. Der erste Bluttest in SSW 5 wies einen guten Hormonspiegel aus dank der weiteren Einnahme der Progesteron-Kapseln Utrogest Luteal. In SWW 7 durften wir im Ultraschall die Fruchthöhle und das kleine schlagende Herzchen sehen. Mit jedem Tag nahmen meine Schwangerschaftssymptome zu. Besonders bedingt durch die Progesteron-Tabletten war ich so müde wie noch nie in meinem Leben. Es war eine solch bleierne, nicht zu bekämpfende Müdigkeit, so dass über Wochen mein Tag meist kurz nach Mittag oder Nachmittags schon wieder zu Ende ging und ich nur noch geschlafen habe. Dazu kam die Übelkeit. Ich musste mich zum Glück kein einziges Mal übergeben, aber dafür war mir von morgens bis abends so gut wie konstant flau oder richtig schlecht. Und dennoch nahmen wir alles als gutes Zeichen. Jedes kleine Symptom feierten wir innerlich ab und tasten uns weiter von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, um die kritische Phase bis Woche 12 irgendwie zu überstehen. Mein Bauchgefühl wurde jeden Tag besser und ich wurde jeden Tag zuversichtlicher und fühlte mich immer sicherer mit dieser Schwangerschaft bis zu ihrem jähen Ende.

Bei 10+4 in SWW 11 zeigte sich bei einem Kontrolltermin im Ultraschall kein Herzschlag mehr. Außerdem war unser Baby viel zu klein, von der Größe eher Woche 8, so dass unsere Frauenärztin vermutete, dass dieses kleine Wesen bereits zwei Wochen vorher in meinem Bauch verstorben ist. Von jetzt auf gleich war alles vorbei und noch bevor man den ersten Schock überwunden hatte, mussten wir uns mit der Frage auseinandersetzen: Was nun? Option 1 darauf warten, bis mein Körper von alleine checkt, dass die Schwangerschaft nicht intakt ist und das Baby gegen lässt. Wie lange das dauert, konnte mir allerdings niemand sagen, Wochen sind möglich und die hätte ich keinesfalls aushalten können mit meinem toten Kind im Bauch.

Die Entscheidung musste zwischen den anderen beiden Optionen Cytotec Tabletten und mein Baby erneut zu Hause auf der Toilette mit Krämpfen und Schmerzen gehen lassen oder eine Saugkürettage unter Vollnarkose. Beides ein Alptraum und letztendlich fühlte sich für mich zu diesem Zeitpunkt die Operation ein kleines bisschen besser und sicherer an. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, eventuell nicht alles mit den Tabletten rauszubekommen und die Prozedur wiederholen zu müssen oder am Ende doch noch die Operation machen zu müssen. Die Operation fand zwei Tage nach dem Ultraschall mit negativer Herzaktivität statt und ich bin froh, dass es so schnell ging und sich fast alle im Krankenhaus wirklich lieb um mich gekümmert haben. Dennoch hat mich dieser Weg unendlich viel Kraft und viele Tränen gekostet. Leider gab es kein Bett für mich auf der Präpartal Station, so dass ich auf der Kreißsaal Station untergebracht wurde, nur wenige Meter von dem Raum entfernt, in dem vor fast drei Jahren unsere Tochter geboren wurde. Manchmal ist das Leben wirklich einfach nur ein schlechter Scherz.

Das Warum und wie geht es weiter
Auch jetzt bleibt wieder die Frage nach dem Warum. Warum hat dieses kleine Herz aufgehört zu schlagen. Waren die Hormone doch nicht genug? War es ein Chromosomenfehler? Stimmt mit meinem Körper, meinem Stoff- oder Zuckerstoffwechsel doch irgendwas nicht? Niemand kann uns darauf derzeit eine abschließende Antwort geben. 
Fest steht für uns auf jeden Fall, dass wir unseren Wunsch nach einem zweiten Kind noch nicht aufgeben wollen. Wir wollen es weiter versuchen. Wir werden uns zunächst beide medizinisch auf den Kopf stellen lassen, wir lassen auf Anraten der Ärzte einen Chromosomenanalyse durchführen und alles abklären, was es abzuklären gibt. Und ansonsten muss man letztendlich wohl auf die Natur hoffen und vertrauen - auch mit 41, bald 42, Jahren - fu** it.

Wichtig ist für mich auf jeden Fall sehr gut auf meine Seele zu achten, Gefühle zuzulassen und darüber zu sprechen, was mir passiert ist und wie es mir geht. Ich möchte meine Erfahrung teilen und öffentlich zugänglich machen, weil es mir selbst sehr geholfen hat, von betroffenen Frauen und ihren Geschichten zu lesen. Und ich werde mir trotzdem jederzeit das Recht nehmen zu sagen, dass ich jetzt gerade (mit dieser Person) nicht über dieses Thema sprechen möchte.

Wichtig ist auch Akzeptanz für die Gefühle betroffener Frauen bzw. betroffener Paare. Es gibt nichts Schlimmeres als den Satz: “Probiert es doch einfach nochmal”, denn jede kleine oder stille Geburt ist erstmal ein Verlust und darf und muss auch als solche akzeptiert und verarbeitet werden.

Viele meiner Gefühle verarbeite ich in meiner Kunst, was für mich ein guter Weg ist. Meine Sternchen sind symbolisch in unserem Garten beerdigt, was für mich sehr wichtig für meinen Heilungsprozess war. Und hoffentlich dürfen wir irgendwann mit unseren zwei gesunden Kindern in diesem Garten spielen.

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