Interview mit Alexandra Wolf, Studio Froilein Juno
Wer bist du – und was ist Studio Froilein Juno für dich?
Ich bin Alex. Künstlerin, Mutter, Marketing Managerin – und lange Zeit jemand gewesen, der sich nicht wirklich gezeigt hat oder besser gesagt eine die sich nicht getraut hat sichtbar zu sein.
Studio Froilein Juno ist für mich kein klassisches „Kunstprojekt“, sondern eher ein Raum, in dem ich endlich ehrlich und ich sein darf. Ohne Briefing, ohne Erwartungen von außen. Einfach ich.
War das schon immer so klar für dich?
Überhaupt nicht.
Ich wollte schon als Kind Künstlerin werden, aber irgendwie bin ich dann doch in einem „vernünftigen“ Weg gelandet. Studium, Job, funktionieren.
Ich war auch gut darin – aber es hat sich oft eng angefühlt.
Und irgendwann kamen dann die Selbstzweifel dazu. Gerade im Studium und später im Job. Ich hatte oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder nicht dazuzugehören.
Also habe ich mich eher zurückgezogen, statt mich zu zeigen.
Und wann kam die Kunst wieder zurück?
Eigentlich war sie nie ganz weg.
Aber sie hat lange keinen richtigen Platz bekommen.
Erst als ich gemerkt habe, dass ich mich in meinem Alltag zwischen Arbeit, Verantwortung und später auch Muttersein selbst ein bisschen verliere, wurde sie wieder wichtiger.
Nicht als „Karriere-Move“, sondern eher als etwas, das mich wieder zu mir bringt.
Was bedeutet es für dich, heute Mutter zu sein und gleichzeitig diesen kreativen Weg zu gehen?
Ehrlich gesagt: Es ist ein ziemlicher Spagat.
Ich liebe es, Mutter zu sein. Wirklich.
Aber ich merke auch, wie schnell man sich selbst dabei aus dem Blick verliert.
Es gibt so viele Erwartungen – sichtbar oder unsichtbar. Dass man alles schafft, alles im Griff hat, für alle da ist.
Und gleichzeitig spüre ich diesen starken Wunsch, auch Raum für mich zu haben. Für meine Gedanken, meine Kreativität, mein eigenes Tempo.
Das ist nicht immer leicht auszuhalten, aber genau daraus entsteht auch viel von meiner Kunst.
Spielt das Thema „Frau sein“ für dich eine Rolle in deiner Arbeit?
Ja, total – auch wenn ich das nicht immer bewusst so plane.
Ich glaube, viele von uns haben gelernt, sich anzupassen. Nicht zu laut zu sein, nicht zu viel Raum einzunehmen.
Und ich merke, wie tief das sitzt. Wie sehr wir alle in diesem patriachalen System drin stecken
Meine Kunst ist oft ein Versuch, mich davon ein Stück zu lösen.
Mehr zu mir zu stehen, auch wenn es sich ungewohnt oder manchmal sogar unangenehm anfühlt.
Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken?
Ich male nicht, um etwas Perfektes zu schaffen oder um Erwartungen zu erfüllen.
Es geht mir eher darum, Gefühle sichtbar zu machen, die man sonst vielleicht runterschluckt oder gar nicht richtig greifen kann.
Manchmal sind das leise Sachen, manchmal auch Wut oder Überforderung oder einfach dieses diffuse „Da stimmt was nicht“-Gefühl.
Und was wünschst du dir, wenn jemand eines deiner Werke sieht oder bei sich zu Hause hat?
Ich glaube, ich wünsche mir, dass sich jemand darin wiederfindet.
Dass ein Bild nicht nur „schön“ ist, sondern etwas auslöst.
Vielleicht ein kurzer Moment von:
„Ah, okay… so fühlt sich das also an. Ich bin damit nicht allein.“
Und vielleicht auch ein kleines Erinnern daran, dass man sich selbst nicht komplett verlieren muss.
Dass man Raum einnehmen darf – auch wenn das nicht immer perfekt oder glatt ist.
Was ist Studio Froilein Juno am Ende für dich?
Ein Prozess.
Kein fertiges Konzept.
Eher der Versuch, Schritt für Schritt sichtbarer zu werden – ohne mich wieder selbst klein zu machen.